Ärgerst du dich beim Üben oft, weil ein bestimmter Lauf nie wirklich überzeugend gelingt? Oder weil immer der gleiche Lagenwechsel unsauber ist? Will die rechte Hand scheinbar nicht die Striche spielen, die du dir vorgenommen hast? Hast du das Gefühl, dass währenddessen wertvolle Zeit verschwendet wird? 

Geige zu spielen ist etwas Vielschichtiges, Komplexes. U.a. deswegen lieben wir es ja so sehr! Logischerweise treffen diese Eigenschaften auch auf das Üben zu. Wenn technisch-musikalische Komponenten nicht optimal organisiert werden, kann das zu den oben genannten Situationen führen. Diese sind aber frustrierend und unnötig. Erfahre wie du die fünf häufigsten Übefehler vermeiden kannst um schneller Ergebnisse zu bekommen und beim Üben besser gelaunt zu bleiben!

  1. Zu schnelles Tempo

Steht man unter Zeitdruck, mag man nicht unbedingt technische Details erarbeiten. Oder ist man eben super motiviert und will es einfach gleich „draufhaben“. Wir wollen ein neues Stück spielen, die Finger machen aber (noch) nicht mit. Wenn du beim Tanzen eine neue, für dich unbekannte Choreografie erlernst, brauchen deine Beine ja auch etwas Zeit, um die richtigen Schritte auszuführen, oder? Genau so geht´s deinen Händen beim Musizieren.

???? Mein Rat: Gib deinen Fingern die nötige Zeit, die Bewegungen in langsameren Tempi gut organisiert auszuführen und übe langsamer, am besten mit Metronom. Wenn du eine herausfordernde Stelle langsam beherrschst, kannst du das Grundtempo kontinuierlich steigern bzw. mit allen erdenklichen Übetricks die Sicherheit auch in schnelleren Tempi erreichen. 

  1. Spielen statt üben

Es ist wichtig, zwischen diesen Begriffen zu unterscheiden. Erstens sollst du verstehen welcher wann drankommen soll. 

Beginnt man gerade eben ein Stück zu lernen, so sollte mehr geübt werden. Das bedeutet kleine Details wie einen Lagenwechsel, kniffige Rhythmen, Herausforderung in der Bogentechnik, geschmeidiger Bogenwechsel, etc. einzeln herauszuarbeiten. Mit der Zeit gehen diese kleinen Bausteine besser, man kann mehr und mehr durchspielen. Knapp vor dem Auftritt oder der Prüfung spielt man das Werk naturgemäß öfter durch als am Anfang des Lernens, tüftelt daran aber nach wie vor, um die Details fit zu halten und zu perfektionieren.

Zweitens sind spielen und üben zwei komplett andere Denkmodi. Während beim Üben das Stehenbleiben, Analysieren, Ausbessern, Experimentieren, Wiederholen ausgesprochen nötig ist, sollst du auf diese beim Durch- oder Vorspielen verzichten und Fehler ohne zu unterbrechen „einfach“ zur Kenntnis nehmen um dich voll auf die Gestaltung zu konzentrieren. 

???? Mein Rat: nimm dir genau vor, ob du übst oder durchspielst und bestimme dementsprechend den Modus, in dem dein Kopf agieren soll. Wenn du dich fürs Erste entschieden hast, bleib konsequent und übe wirklich gezielt statt Seiten planlos durchzufetzen. So merkst du bald, dass die geübten Stellen besser laufen werden und dass die Übeergebnisse stabiler bleiben.

  1. Falscher Zeitpunkt der Wiederholungen

Ich habe es bei neuen SchülerInnen immer wieder erlebt, dass sie etwas , was noch nicht gut klappt, verärgert, trotzig wiederholen, ohne dass das jeweilige Problem besser wird. Ich frage sie: „Was machst du jetzt eigentlich?“ Antwort: „Ich wiederhole es, damit es geht.“ In der Regel entfaltet sich eine längere Auseinandersetzung… denn etwas bloß zu wiederholen hilft leider nicht unbedingt, ganz im Gegenteil! Man prägt z.B. ungünstig organisierte technische Vorgänge, ungenaue Rhythmen, falsche Tonhöhen usw. ein. Diese sind leider viel schwieriger auszubessern als die Sache ganz einfach gut zu lernen.

???? Mein Rat: Hör aufmerksam zu und versuch, schnellstmöglich herauszufinden, wo das Problem in der Ausführung liegt. Sollte es dir schwer fallen, reduziere das Grundtempo. Wenn du das Problem einmal identifiziert hast, kannst du „Heilmittelsuchen und beim Üben anwenden. Wenn das gewirkt hat und die Stelle ausgebessert ist, ist das der richtige Zeitpunkt für die Wiederholungen, um das Ergebnis zu speichern.

  1. Üben ohne zu wissen, was klingen soll

Gerade wenn man sehr müde ist, ist dieser Fehler gefährlich. Das Gespielte entspricht nicht dem Notenbild, ähnelt ihm aber schon. Wenn man sich mit dem Notentext nicht gründlicher beschäftigt hat, oder nicht so fortgeschritten ist, dass der Text sofort richtig gedeutet wird, wird der Unterschied zwischen Gehörtem und Gelesenem nicht wahrgenommen. Schon hat sich eine falsche Tonhöhe, eine andere Artikulation o.Ä. hineingeschlichen. 

???? Mein Rat: Trenne zwei Phasen

In der Planungsphase brauchst du die Geige überhaupt nicht. Es genügt völlig, aufmerksam die Noten durchzulesen und die betroffenen Takte durchzusingen. Besonders bei rhythmischen Angelegenheiten hilft es, währenddessen mit einer Hand dezent zu dirigieren. Mit dieser Übung bringst du erstmal deinem Kopf und deinen Ohren bei, was (welche Tonhöhen, Rhythmen, Pausen usw.) klingen sollte. Das ist dein mentales Modell, das du gleich in Klänge umwandeln willst.

Bei der Übephase musst du mit der Geige das soeben geformte mentale Modell umsetzen und währenddessen gut zuhören, ob das Gespielte dem Modell wirklich entspricht. Wenn nicht, gehe zur Planungsphase zurück. 

  1. Ohne Pausen üben

Ist es dir auch schon mal passiert, dass du plötzlich unglaublich müde warst und bemerkt hast, dass eigentlich eh nichts mehr weitergeht, während aber X Minuten vergangen sind? Vielleicht merkst du auch plötzlich, dass du großen Hunger oder Durst hast. Üben ist etwas Spannendes, Vielseitiges. Eine höchstkreative Problemlösung, Analyse, Ausprobieren. Oft steigert man sich derart hinein, dass man auf die Zeit vergisst.

???? Mein Rat: Die Begeisterung ist auf jeden Fall zu begrüßen! Trotzdem sind wir immer noch Menschen mit einem beschränkten Konzentrationsvermögen. Je intensiver, fokussierter die Arbeit, umso mehr beansprucht sie unser Hirn und unseren Körper. Über die Seele weiss jeder selber Bescheid. ???? Wie lang ein Geiger wirklich effizient bleibt, variiert von Person zu Person, wir sind ja zum Glück unterschiedlich! Suche eine Einheit, die dir am besten passt. Sind das 30, 40 oder vielleicht 50 Minuten, nach denen du erschöpft bist und gerne pausierst? Teste es und mach nach der optimalen Übelänge eine Pause! Danach geht´s sicher besser weiter.

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