Keine Lust zum Geigeüben? Müdigkeit, Zeitmangel oder das schlechte Wetter sind nicht immer der Grund dafür. Hier erfährst du, was die häufigsten Gefahren für die Motivation sind, woran du sie erkennst und was du tun kannst.

1. Zu lange das Gleiche spielen

Ambitionen sind die Voraussetzung für die Entwicklung am Instrument. Wie sonst überall, kommt es auch beim Geigeüben auf die passende Dosierung an. Wenn du von lauter Perfektionismus ewig lang das gleiche Stück übst, kommt es einmal zu einer Übersättigung. Sie belastet nicht nur die Konzentration, sondern auch die Seele, die Motivation. Es gilt sowohl während einer Übeeinheit, als auch während Wochen und Monaten. 

Symptome: 

  • Die Vorfreude aufs Üben ist nicht sehr groß.
  • Du kannst das Stück einfach nicht mehr hören.
  • Obwohl du regelmäßig Geige übst, geht es nicht weiter und das Spielen macht dir (zumindest vorübergehend) keinen Spaß.

Lösung:

Tüftle an deinem Stück, hol dir dafür immer neuen Input von LehrerInnen, KollegInnen oder von Aufnahmen. Wenn du merkst, dass der Kopf nicht mehr mitmachen will, dass du nicht mehr wirklich zuhörst, ist es Zeit was anderes zu spielen. Keine Sorge: während du einen anderen Satz übst, arbeitet dein Hirn auch am ursprünglichen Stück weiter. 

2. Die Stücke zu oft wechseln

Die Abwechslung macht das Leben süß, schon klar. Wenn dein Übeziel die möglichst stabile Entwicklung ist, dann rate ich von einem zu häufigen Wechsel deiner Geigenstücke eher ab. Was „zu“ oft und „zu“ selten ist, variiert logischerweise von Person zu Person. Allgemein: wenn deine Ziele im alten Stück noch nicht erreicht wurden.

Symptome: 

  • Trotz regelmäßigen Spielens hast Du nie das Gefühl, etwas so richtig stabil, richtig schön vortragen zu können. 
  • Während einer Übeeinheit verzettelst du dich. 
  • Die Zeit fliegt dahin und du merkst keine grossen Verbesserungen. 
  • Über längere Zeit kannst du dich nicht klar erinnern woran du in den letzten Tagen, Wochen gearbeitet hast.

Lösung:

Suche bewusst eine passende Mischung aus Vertiefung und Abwechslung. Besprich das gerne mit deiner Lehrerin oder deinem Lehrer. Wenn du alleine lernst, achte gerne auf dein Bauchgefühl.

3. Nur spielen, nie üben

Es ist total schön, manchmal nach dem Motto „L’art pour l’art“ loszuspielen, die Musik und die Schritte der eigenen Entwicklung zu geniessen. Letztere sieht man erst dann deutlich, wenn regelmäßig auch an den Grundlagen gearbeitet wird. (Regelmäßig kann je nach deiner Motivation einmal die Woche bis zu täglich bedeuten.) Warum? Es ist wirksamer, die Schwierigkeiten eines Stückes erstmal an technischen Übungen zu bearbeiten, nach Lösungen zu suchen und diese einzuprägen. Sonst spielst du eine schwierige Stelle im Stück ohne zu wissen was das Problem und die Lösung wäre. Und kommst wegen der ungelösten Schwierigkeiten kaum dazu, das Musizieren zu geniessen.

Symptome: 

  • Du spielst regelmäßig, hast aber das Gefühl, immer wieder mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen. 
  • Du bleibst immer wieder bei der gleichen Stelle hängen.
  • Du beginnst jeden Tag wieder genau dort wie an den Tagen davor.

Lösung:

Arbeite an deinen Basics, an den Grundlagen deines Spiels. (Je nach deiner Spielerfahurng und Motivation kann das der gerade Bogenstrich, die Tonbildung, eine bestimmte Strichart, die Koordination oder was anderes sein…) Am besten so regelmäßig es geht. Es wird dein allgemeines Niveau und damit auch deine Motivation enorm steigern.

4. „Richtig“ zu spielen als höchstes Übeziel

Die richtigen Tonhöhen, Rhythmen und Striche sind erstrebenswert. Sie dürfen aber nie das oberste Ziel, das Ende der Arbeit sein. Im Gegenteil, mit ihnen beginnt ja erst das wirklich Spannende! Sie bilden den notwendigen Ausgangspunkt dafür, aus ihnen schöne Phrasen, Melodien, Charaktere, Gegensätze, Geschichten und Szenen machen zu können. 

Symptome: 

  • Der Ärger bei Fehlern steht im Vordergrund beim Üben, du bist häufig unzufrieden.
  • Die Spielfreude kommt selten.
  • Du hast keine Idee, was all die Töne eigentlich sollen, wie man sie auffassen und deuten könnte.

Lösung:

Arbeite an deiner Interpretation. Mach eine gedankliche Reise mit Annahmen, Möglichkeiten. Es gibt keine richtige oder falsche Antwort! 

  • Warum hat sich wohl der Komponist die Mühe gemacht, diese Noten auf ein Blatt festzuhalten? 
  • Wie kannst du sie vom Notenblatt wieder zu Leben erwecken und aus ihnen eine lebendige musikalische Erzählung zaubern, die du selber auch gerne anhören würdest?

Sei kreativ, stell dir Fragen, probiere verschiedene Möglichkeiten aus. Klappt es nicht gleich? Na und? Einfach weitersuchen, irgendwann mal wirst du fündig!

5. Meine eigene Aufnahme gefällt mir nicht

Sich aufzunehmen geht leicht – wörtlich mit einem Knopfdruck. Seine eigene Aufnahme anzuhören und anzuschauen fällt aber allen schwer. Der innere Kritiker nörgelt bald herum. 

Beim Anhören deiner eigenen Aufnahme wird die Wahrnehmung schärfer. Du kannst noch nicht überzeugende Details in deinem Spiel leichter entdecken, weil du dich von außen hörst und siehst, ohne währenddessen mit dem Spielen beschäftigt zu sein. Und Schwachstellen zu entdecken mag zwar unangenehm sein, es ist aber immer der Schlüssel für die Entwicklung. Man muss unbedingt bereit sein, neben den eigenen Qualitäten evtl. auch mit den Mängeln konfrontiert zu werden.

Symptome: 

  • Du verschiebst den Aufnahmetermin im Kalender immer weiter.
  • Selbst wenn du eine Aufnahme beginnst, brichst du ab.
  • Und wenn es endlich gelingt, das Stück bzw. ganze Programm aufzunehmen, ist man beim Anhören super enttäuscht oder unzufrieden.

Lösung:

Just do it! Einmal über den Schatten springen und sich ein einziges Mal aufnehmen. Hör dir´s dann an und beobachte wie die Erkenntnisse dein Üben weiterbringen. Je öfter du dich überwindest, dich aufnimmst und es dann auch anhörst, umso leichter wird es dir fallen und umso häufiger bist du dann stolz und glücklich mit deinem Spiel. 

6. Letztes Mal ist es voll daneben gegangen!

Geht etwas bei einem Konzert oder einer Prüfung schief, hinterlässt es Spuren oft an der Motivation zum Üben. Das Gefühl von Scham, Blamage, Versagen, Frustration, sogar Wut sind nachher nicht selten. Der Misserfolg bestätigt evtl. eine mögliche innere These „Ich kann es nicht!“. Diese Emotionen hemmen unglaubich stark. (Du sollst dich mit diesem Thema besonders dann auseinandersetzen, wenn du Geige oder Bratsche studieren möchtest. Wie ich dich auf deine Prüfung vorbereite, erfährst du hier.)

Symptome: 

  • Enttäuschung wegen des Misserfolgs. 
  • Angst davor, wie es diesmal laufen würde.
  • Und selbst wenn man wieder loslegt, öffnet man ängstlich den Geigenkoffer bzw. hört bald wieder auf. 

Lösung:

Akzeptiere es einfach und mach weiter. Ohne Flops und Misserfolge kommt KEINER aus. 

7. Sich ständig mit anderen vergleichen 

Im Internet stoplert man andauernd auf vier-fünfjährige Wunderkinder, sensationelle Preisgewinner und Solisten, top bearbeitete CDs. Wow, das motiviert total fürs  Geigeüben, oder? Wenn das rational und als Inspirationsquelle verwendet wird, auf jeden Fall. Misst du dem Vergleich zwischen dir selbst und ihnen zu viel Bedeutung bei, so kann das auf Kosten deiner Motivation gehen.

Symptome: 

  • Du ärgerst dich, weil dein Stück von irgendwem anderen schnulziger oder fetziger klingt. 
  • Du denkst dir im Konzert oder beim Musikhören: Oje, bei dem oder bei der wirkt das doch alles so leicht. Wieso ist es bei mir nicht so?

Lösung: 

Wenn du nicht David Oistrach, Itzhak Perlman o.Ä. heisst, dann gibt es IMMER bessere. Das ist schon mal so. Wozu sich deswegen so fertig machen? Stecke deine Energie lieber da hinein, deinen Weg zu finden, wie du auf der Geige besser werden und dabei mehr Freude haben kannst. Und mach es konsequent.

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